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Der Schwarze Punkt
Vorbemerkung:
Es wird derzeit vereinzelt die Meinung vertreten, daß es sich bei dem schwarzen Punkt um „Atoxoplasmose“ also der Organform von Kokzidien handelt und das ESB3 ein wirksames Mittel sei. Es muss an dieser Stelle ganz klar festgestellt werden, daß die vielen Erfahrungen etlicher Züchter bewiesen haben, daß ESB3 - ganz im Gegensatz zu Tylosin - in keinster Weise zu einer Besserung beiträgt. Da die Behandlungsmethode nicht der Wahrheit entspricht, darf zu Recht auch an der Diagnose „Atoxoplasmose“ gezweifelt werden, zumal der Beweis in Fakten nicht erbracht ist.
Selbst wenn aber in einer angeblichen Untersuchung Kokzidien nachgewiesen wurden, stellt sich eher die Frage warum z.B. die Uni Uitrecht „Colibakterien“ nachgewiesen hatte. Selbst wenn der Nachweis erbracht wäre, stellt sich vielmehr die Frage ob dieser Nachweis, sowie der Nachweis von Colibakterien nicht vielmehr die erwähnten „Begleitinfektionen“ durch Immunschwächung bekräftigen. Insofern ist es auch interessant, daß mich der italienische Züchter Giovanni Bertolini neben der Behandlung mit „Tylan“ auf eine Gabe von „Fungillin“ (Amphotericin-B) hinwies, was wiederum den Verdacht nahelegt, daß mit Begleitinfektionen mit Pilzen ( z.b. die ehemals als „Megabakterien“ bezeichneten Pilze) ebenso zu rechnen ist.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich auch an eine Aussage anläßlich der FP-Tagung in Spergau, daß Tylan angeblich nicht mehr wirken würde. Wer natürlich – wie dieser Redner erzählte – seine Vögel in einer Zuchtvorbereitung mit etlichen Mittelchen(Baycox, Baytril, Rondizol, Ivermecthin, Tylosin Plus mit Tetracyclin) bombadiert, der sollte sich nicht wundern, daß Mittel die im Zusammenhang mit der körpereigenen Immunabwehr ihre Wirkung entfalten, nicht mehr wirken, denn die körpereigene Immunabwehr – auch aufbauend auf die Flora der Schleimhäute - dürfte dieser Züchter sicherlich außer Kraft gesetzt haben. Schlimm ist an dieser Tatsache, daß somit resistente Stämme herangezüchtet werden.
Eine weitere dortige Wortmeldung war die Salzstreuer-Methode mit Ronidazol, was einem nur die Haare zu Berge stehen lassen kann.
Das Übel – der ”schwarze Punkt” bei Nestlingen
Olaf Hungenberg – Düsseldorf • Foto Paul Pütz u. O.Hungenberg
Vor geraumer Zeit erschienen bereits diverse Berichte über den schwarzen Punkt in ”Der Vogelfreund”. Ansich wäre alles gesagt, wären da nicht die erneuten immensen Probleme bei den Züchtern, sowie die schlicht und einfach nicht korrekte Wiedergabe der Behandlung.
Der Artikel seinerzeit aus meiner Feder lag bereits vor Veröffentlichung gut 1 ½ Jahre in der Schublade. Ich hatte große Bedenken, dass der Bericht einen zu großen Freiraum für Interpretationen gibt und daraus sich Initiativen einzelner Züchter ergeben die nicht im Sinne der Sache sind. Lediglich über einen befreundeten Züchter gelangte der Bericht an einen betroffenen Züchter. Das sich hieraus bzw. aus Teilen Infos zu einen weiteren Bericht ergaben der dann auch noch zeitgleich mit meinem Bericht erschienen fand ich nicht gerade glücklich.
Recht unbegreiflich fand ich, dass nach Erscheinen dieser Artikel einige Züchter erzählten sie hätten schon bereits seit Jahren diesen Sachverhalt gekannt und auch die Behandlungsmethode. Ob dies nun Behauptungen zur Selbstdarstellung waren oder aber es tatsächlich der Fall war, bleibt unerheblich, zeugt jedoch davon, dass manche Züchter es wohl nicht so sehen, dass wir Züchter eine Gemeinschaft sind.
Wahr ist wohl, dass einige Züchter bereits im Vorfeld die Behandlungsmethode von ihren Besuchen in Italien kannten, jedoch fehlten weitergehende Informationen zum Erreger des schwarzen Punktes.
Ich finde es daher sehr wichtig, dass das „Wir-Gefühl“ viel stärker bei uns in den Vordergrund rücken sollte, denn nur so können wir Probleme bewältigen und gemeinsam voran kommen.
Im folgenden möchte ich einzeln die wichtigsten Fragen erörtern.
Was genau ist mit ”schwarzer Punkt” gemeint ?
Der schwarze Punkt sitzt im rechten seitlichen Bauchbereich der Nestlinge, in Höhe des rechten Leberlappens und der dortigen Gallenfunktionen. Bereits beim Schlupf ist dieser Punkt zu sehen, zumal er sich deutlich von der ansonsten fleischfarbenen Bauchpartie abhebt. Die Größe dieses Punktes kann durchaus variieren. Teilweise treten Jungtiere auf, die neben einem extrem flächig auftretenden schwarzen Punkt eine gelbliche Hautfärbung aufweisen. Dies ist möglicherweise ein Hinweis auf eine starke Organschädigung.
Sind Nestlinge mit dem schwarzen Punkt verloren ?
Grundsätzlich muß leider festgestellt werden, daß jene Jungtiere mit dem schwarzen Punkt zu einen hohen Prozentsatz Todeskandidaten darstellen. Man findet jedoch auch selten aber immerhin solche Jungtiere bei denen dieser schwarze Punkt in den ersten sieben Tagen verschwindet und die sich dann ganz normal entwickeln. Voraussetzung dafür ist, daß der schwarze Punkt relativ sehr klein ist und die Nestlinge von den Alttieren sehr gut versorgt werden.
Gibt es Unterschiede in der Ausprägung des schwarzen Punktes ?
Bei genauer Untersuchung in einem gesamten Zuchtbestand weisen aber gerade jene Jungtiere bei denen der Punkt später verschwindet, beim Schlupf diesen schwarzen Punkt im Größenverhältnis zu anderen betroffenene Jungtieren kleiner auf.
Teilweise halten in einem Nest mit betroffenen und unbetroffenen Nestlingen alle im Wachstum Gleichschritt, bis etwa nach vier Tagen die Jungtiere mit verbliebenem schwarzem Punkt deutlich zurück bleiben. Man findet sie dann tot im Nest mit aufgelöstem Unterbauch.
Gibt es eine Beziehung zwischen schlechter Schlupfquote und dem schwarzen Punkt ?
Betrachtet man Jungtiere die im Ei kurz vor dem Schlupf abgestorben sind, so sieht man auch dort, daß diese in den meisten Fällen diesen schwarzen Punkt aufweisen.
Gibt es den schwarzen Punkt nur bei Kanarienvögel ?
Auf den ersten Blick scheinen Kanarienzuchten vornehmlich mit diesem Problem behaftet zu sein, doch dieser Schein trügt. Selber habe ich den schwarzen Punkt schon bei Nestlingen verschiedener Cardueliden gesehen und bei Nestlingen des Haussperlings.
Gibt es Untersuchungen hinsichtlich des schwarzen Punktes ?
Es gab Hinweise, daß dieser schwarze Punkt die Gallenblase bzw. Gallengänge darstellt. Definitiv handelt es sich bei dem schwarzen Punkt jedoch nicht allgemein um die Leber, sondern betrifft lediglich den rechten Leberlappen und ist dort partiell eingeschränkt, daher auch die exakte Umrißlinie des markant erscheinenden schwarzen Punktes.
Bereits vor etwa fünf Jahren erfuhr ich bei einem Besuch des italienischen Züchters Prof.G.Bertolini, daß er gegen diesen schwarzen Punkt die Alttiere vor der Zucht mit einer Inhalierungsmethode erfolgreich behandelte.
Es gab schon vor geraumer Zeit einen Aufruf der Fakultät für kleine Haustiere in Uitrecht, die dann stattgefunden Untersuchungen kamen angeblich zu keiner deutlichen Diagnose, lediglich Colibakterien sollen nachgewiesen worden sein.
Mittlerweile soll in Italien erforscht worden sein, daß es sich bei den schwarzen Punkt um Mycoplasmose handelt, welche wahrscheinlich die Gallenfunktionen am rechten Leberlappen (vom Betrachter aus links) befällt.
Hat der Erreger des schwarzen Punktes weitere Auswirkungen bei den Nestlingen ?
Oft kann man im Nest bei bereits sehr fortgeschrittenen Nestlingen feststellen, daß plötzlich einige Probleme mit der Atmung haben, extrem nach Luft schnappen und bereits wenige Stunden nach Auftreten dieser Symptome versterben, obgleich sie zuvor sichtbar keinen schwarzen Punkt aufwiesen. Aufgrund dieser plötzlich auftretenden Symptome und des plötzlichen Todes, bekommt man im Einzelfall den Vorfall nicht mit. Bei jenen Jungtieren die plötzlich nach extremen meist tonlosen Atembeschwerden versterben, handelt es sich um eine Ausweitung der Mycoplasmose auf die Lunge. Dies ist ansich nicht verwunderlich ist doch Mycoplasmose häufig die Ursache für Atembeschwerden bei Alttieren (CRD – chronic respiratory disease).
Hat der Erreger des schwarzen Punktes Auswirkungen auf die Alttiere ?
Der Erreger führt nicht zwangsläufig bei den Alttieren zu einer Erkrankung, vor allem dann nicht, wenn sie sich in einer ansonsten guten Kondition befinden und die natürlichen Barrieren für Krankheitserreger funktionieren. Ist dies nicht der Fall, kann es zu deutlichen Leistungsrückgang kommen. Hierzu zählt vor allem ein starker Rückgang der Legeleistung.
Gibt es eine Verbindung zwischen dem Erreger des schwarzen Punktes und dem Tod der brütenden Weibchen ?
Aus der Erfahrung ist bekannt, daß in Zuchten mit erhöhtem Auftreten des schwarzen Punktes teilweise Weibchen versterben. Meist nach Ablage des zweiten Eies oder aber nach ein bis zwei Tagen Brutdauer. Bei genauer Begutachtung zeigen diese Weibchen extrem geschwollene Blutgefäße im Bauchbereich. Hierbei dürfte es sich um eine durch Mycoplasmen hervor gerufene Entzündung des Eierstockes oder aber des Eileiters handeln.
Wo sitzt der Erreger bei den Alttieren ?
Der Erreger sitzt latent (ruhend) in den unteren Atmungsorganen des Vogels, ohne zwingend eine Krankheit hervor zu rufen. Sichtbare Erkrankung führt zu deutlichem Leistungsrückgang der Alttiere, bis hin zu schweren Atemstörungen, plötzliche Sinusauftreibungen am Kopf(Eulenkopf), sowie durch Begleitinfektionen(z.B. E.coli) zu Organveränderungen (z.B. Entzündungen von Herz, Leber, Luftsäcke usw.).
Wie überträgt sich der Erreger ?
Die Übertragung der Mycoplasmen ist problemlos und geht einher mit einer langsamen Durchseuchung des Tierbestandes durch einfachen Kontakt(aerogen über die Atemwege) und über das Ei. Außerhalb des Vogelkörpers ist der Erreger nur wenige Tage lebensfähig.
Was begünstigt den Erreger ?
Auslöser für einen krankhaften Ausbruch der Mycoplasmen sind durchaus eine geschwächte Immunstärke, Streßsituationen, hygienische Mißstände, starke Temperaturschwankungen, andere negative Umwelteinflüsse (z.B. zu niedrige oder zu hohe Luftfeuchtigkeit), hohe Staubentwicklung, hohe Besatzdichte und das Auftreten anderer Infektionserreger. Mycoplasmen reagieren sehr empfindlich auf äußere Einflüsse wie Wärme, Trockenheit oder Desinfektionsmittel.
Wie gelangt der Erreger ins Ei ?
Bereits die Eier werden über den Eileiter der Weibchen mit Mycoplasmose infiziert, ein Phänomen welches im Geflügelbereich durchaus bekannt ist. Diese entwickeln sich dann während der Bebrütung und führen durch Schädigung der inneren Organe zum Tod im Ei oder aber zum Tod in den ersten Lebenstagen.
Wo liegt die Problematik ?
Die Problematik besteht also darin, daß die Infektion bereits über den Eileiter der Weibchen stattfindet und eine entsprechende Diagnose bei den Alttieren kaum oder zumindest sehr schwer und aufwendig durchführbar ist.
Was sind Mycoplasmen ?
Um Verwechslungen direkt vorzubeugen, hat der Begriff Mycoplasmose nichts gemein mit Mykose. Bei Mykose handelt es sich im übergreifenden Sinne um Pilzerkrankungen, wobei sekundär die Mykotoxine als giftige Ausscheidungen der Pilze eine gefährliche Stellung einnehmen. Bei der Suche nach fachlichen Informationen über Mycoplasmose wird man in der herkömmlichen Literatur leider enttäuscht, selbst das Buch Vogelkrankheiten von Dr.Ute Hahn führt Mycoplasmose noch nicht einmal auf. Weitergehende Literatur behandelt zwar das Thema Mycoplasmose, zeigt jedoch keine Erkenntnisse im Ziervogelbereich und vor allem keine Erkenntnisse die auch nur annähernd den schwarzen Punkt erklären könnten.
Erstmals wurde der Erreger 1935 beschrieben(Nelson) und 1943 als ”Chronische Atemkrankheit” CRD – Cronic Respiratory Disease bezeichnet(Delaplane u. Stuart). 1961 Benennung des Erregers ”Mycoplasmose”.
Mycoplasmen sind Bakterien ohne Zellwand, ihre Form ist daher vielgestaltig. Sie haben je nach Spezies ein eng gestecktes Wirtsspektrum und können je nach Vogelart wechselnd organspezifisch auftreten. Der Auftritt erfolgt meist in Kolonien(endemisch) bzw. kann erst dann zu Erkrankungen führen. Weitestgehend gehen von allen Spezies an Mycoplasmen Erkrankungen der Luftwege aus, ein weiteres Beispiel ist der sogenannte ”Eulenkopf” durch Lidbindehautentzündung und Schwellungen im Kopfbereich.
Ausgehend vom Fall des schwarzen Punktes sitzt der Erreger im oberen Atmungstrakt der Alttiere, jedoch ohne zwingend bei ihnen eine Krankheit auszulösen.
Bei der Übertragung von Mycoplasmen über das Ei und der daraus resultierenden Sterblichkeit im Ei oder im Nestlingsalter, spielt der sicherlich mindere Immunschutz der Embryonen bzw. Nestlinge eine entscheidene Rolle. Das Auftreten des schwarzen Punktes ist unabhängig davon, ob die Mycoplasmose bei den Alttieren in Erscheinung getreten ist oder nicht. Die Behandlung der Nestlinge im akuten Fall ist oft nicht von Erfolg gekrönt, da sich die Anreicherung des betroffenen und geschädigten Gewebes mit einem entsprechenden Medikament äußerst schwach vollzieht und bereits stark geschädigte Nestlinge nicht mehr zu retten sind. Oft genug kann man auch beobachten, daß die Elterntiere bei der Fütterung Nestlinge mit dem schwarzen Punkt ausschließen, andererseits aber Nestlinge mit einem sehr schwachen schwarzen Punkt diesen verlieren, wenn die Elterntiere ausgiebig füttern.
Die Diagnose über Colibakterien der Fakultät in Uitrecht ist ansich nicht verwunderlich, zumal die Untersuchung in Italien neben Mycoplasmen auch Colibakterien identifizierte und Mycoplasmose oft mit bakteriellen Sekundärinfektionen einher geht, ja teilweise sogar ein synergetisches Auftreten mit Colibakterien feststellbar ist.
Welcher Wirkstoff wirkt auf Mycoplasmen ?
Bei der Behandlung hat sich der antibiotische Wirkstoff Tylosin bewährt, obgleich es weitere wirksame Stoffe gibt, nur ist den Erfahrungen aus Italien zur Folge die beste Wirkung bei Tylosin festgestellt worden. Derzeit sind verschiedene Präparate auf der Basis von Tylosin erhältlich.
Auch bei der Inhalierungsmethode handelt es sich bei dem Wirkstoff um Tylosin.
Tylosin ist ein weisses bis blassgelbes Pulver, welches ansich schlecht in Wasser löslich ist. Lediglich die Tartratform (Tylosintartrat) ist in Wasser gut löslich und ist als verschreibungspflichtiges Medikament unter der Bezeichnung ”Tylan soluble” der ”Berna Veterinärprodukte AG” erhältlich.
Wichtig hierbei ist dem Pulver das Wasser hinzuzusetzen – nicht umgekehrt !!
Die Wirkung von Tylan ist im allgemeinen bakteriostatisch und bei hoher Konzentration auch bakterizid. Die Wirkung beschränkt sich auf Mycoplasmen und grampositive Bakterien.
Die Anwendung !
Da es sich um verschreibungspflichtige Medikamente handelt, sollte man in Absprache mit dem Tierarzt seines Vetrauens eine entsprechende Vorgehensweise beraten !!
Da aber eine Diagnose kaum durchführbar ist, bleibt wahrscheinlich nur eine vorbeugende Behandlung. Diese wird den Erfahrungen aus Italien zur Folge etwa vier Wochen vor der Zucht durchgeführt, also kurz bevor der Eierstock aktiv wird. Diese Kur wird über 5Tage durchgeführt, bei einer Dosierung von 2,5g Tilan soluble(20%ig 100%ig = 0,5g) auf 1Liter Trinkwasser. Wichtig ist die richtige Anwendung des Präparates !! Es geht einerseits darum die Ausbreitung des Erregers auf die Eierstöcke zu verhindern, andererseits aber auch den Erreger in seiner Gesamtheit einzuschränken.
Eine gänzliche Eliminierung des Erregers ist wahrscheinlich schwer durchführbar.
Völlig unsinnig ist bei der vorbeugenden Maßnahme eine Anwendung eines Kombipräparates mit Tetracyclin. Desweiteren ist es nicht das Ziel die betroffenen Jungtiere zu behandeln, sondern ganz im Gegensatz die Ausbreitung über das Ei (vertikale Übertragung) zu verhindern.
Sind betroffene Nestlinge generell verloren und kann man sie gegebenenfalls behandeln ?
Abhängig davon ob der betroffenen Nestling (so hart es auch klingen mag) ein Todeskandidat ist, ist die Größe des schwarzen Punktes. Ist dieser Punkt relativ klein (Stecknadelkopf) kann man bei guter Fütterung durch die Alttiere ein Verschwinden des Punktes bemerken. Wird der Nestling jedoch schlecht versorgt, ist der schwarze Punkt relativ groß oder die Hautfarbe durch Organschädigung deutlich gelb unterlaufen, dann ist der Nestling meistens verloren. Den Erfahrungen nach, kann eine direkte Behandlung der betroffenen Nestlinge mit mittelgroßen Punkt durchaus von Erfolg gekrönt sein. Hierzu wird den Erfahrungen zur Folge, dem Nestling morgens und abends ein Tropfen der Tylanlösung direkt in den Schnabel gegeben.
Was ist mit der in Italien praktizierten Inhalationsmethode ?
Spricht man mit bekannten italienischen Züchtern, so sprechen diese stets von einer Behandlung der Zuchttiere mittels einer Inhalationsmethode. Hierzu wird ein Inhalationsgerät/Vernebler benutzt, mit welchem eine Tylan/DMSO/NaCl-Lösung in einen geschlossenen Käfig geleitet wird. Die genaue Dosierung und Behandlungsdauer hoffe ich im Herbst erfahren zu können, müßte aber in Absprache mit einem fachkundigen Tierarzt durchaus zu ermitteln sein.
Der Sinn und das Ziel dieser Methode sind einfach zu erklären. Die orale Verarbreichung , kann ebenso wie eine parenterale Verabreichung, nur über eine Anreicherung des Gewebes eine Wirkung auf den Erreger ausüben. Bei der Inhalationsmethode gelangt der Wirkstoff aber direkt und ohne Umwege zum Erreger.
Welche Methoden der Behandlung könnte es noch geben ?
Für verschiedene Spezies der Mycoplasmen gibt es bereits artspezifische Impfstoffe bei Schweinen, Hühnern usw. Ein solcher speziell entwickelter Impfstoff wäre durchaus auch für Kanarien möglich. Dennoch ist die Aussicht auf einen solchen Impfstoff fast aussichtslos. Nach Ausführungen im Bereich der Rattenhalter gab es hier bereits Kontakte zu einem auf Mycoplasmose spezialisierten Institut in Österreich. Für die Entwicklung eines solchen Impfstoffes wurde eine Zeit von 2-3 Jahre veranschlagt und ein Etat von etwa 75.000 Euro festgelegt, unabhängig davon, daß derzeit keine Kapazitäten (!) frei sind.
Wie kann ich grundsätzlich die Bedingungen in Bezug auf eine aerogene Anhäufung von Mycoplasmen verringern ?
· Verbesserte Frischluftzufuhr · Luftverbesserung mittels elektrostatischer Luftreiniger / Ionisatoren mit Statikfilter / abgeschirmte UV-Luftreiniger · Verringerung der Staubbelastung · Vermeidung von staubenden Bodenbelägen · Luftfeuchtigkeit im Normalbereich · Vermeidung von Überbesatz
Insgesamt also eine Verringerung von Irritationen der Luftwege und abtöten aerogen vorhandener Erreger.
Schlußbetrachtung
In der vergangenen Zuchtperiode kam es bei etlichen Züchtern zu extremen Auswüchsen des schwarzen Punktes. Einige betroffene Züchter holten auch tierärztlichen Rat ein. Die Befunde waren für die Züchter mehr als unbefriedigend. Ob nun eine ernährungsbedingte Leberstörung, ein angeblich unter der Haut geronener Blutstropfen oder gar der von einem renomierten Institut nach vier Wochen herausgegebene Befund einer wahrscheinlichen(!!) Bakterieninfektion, mit dem Rat zu erhöhten Desinfektionsmaßnahmen und einer empfohlenen Erhöhung der Grünfuttergaben, ließen diese Züchter schier verzweifeln. Desweiteren waren viele Züchter schlecht beraten, die nach Anweisung ein Kombipräparat mit Tylosin/Tetracyclin in regelmäßigen Abständen gaben und eben nicht eine Behandlung vor Ausweitung der Erreger auf den Eileiter machten.
Aus den in dieser Periode gemachten Erfahrungen läßt sich aber desweiteren schließen, daß ebenso das Medikament Baytril im akuten Fall zur wesentlichen Verbesserung der Situation beiträgt.
Zum Schluß möchte ich noch darauf hinweisen, daß bei akuten Fällen stets der Tierarzt zu Rate gezogen werden sollte. Besprechen Sie im gegebenen Fall alles mit ihm, denn die Handhabung von Medikamenten gehört zweifelsohne in fachkundige Hände !! Daher, die in diesem Bericht gemachten Aussagen stellen keine Anleitung zur Selbstmedikation dar.
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